
Susanne Scholl beim mc.
Russland: Ein Langzeitprojekt in Sachen Freiheit und Frieden
Susanne Scholl, Journalistin, Schriftstellerin und bis Ende 2009 die langjährige Russland-Korrespondentin des ORF sprach gestern vor 140 Mitgliedern des „Club Frau in der Wirtschaft“ und des management clubs im Flughafen Amadeus Terminal 2.
Fast 20jährige Erfahrung Dabei berichtete Scholl über ihre fast zwanzigjährige Erfahrung, aber auch über ihre Liebe zu diesem riesigen Land und seinen Menschen. Ihre politische Analyse stellt jedoch ernüchternd fest, dass auch die heutigen ‚Zaren’ Dimitri Medwedew und sein Vorgänger, der heutige Ministerpräsident und ehemalige KGB-Chef Wladimir Putin wenig davon halten, das Land zu reformieren und demokratische Regeln und Freiheiten zuzulassen.
Gefährliches Leben Da die Gerichtsbarkeit in Russland unter der Kontrolle der Politik steht, leben Regimekritiker, Menschenrechtler, aber auch Journalisten gefährlich. Wie zum Beispiel der inhaftierte Kremlkritiker und frühere Ölmanager Michail Chodorkowski oder die 2009 in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny verschleppte und wenig später in der Nachbarrepublik Inguschetien erschossen aufgefundene Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa sowie die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja. Beide Frauen arbeiteten für die russische Organisation "Memorial" und sammelten Informationen über Morde, Folter und Entführungen in Tschetschenien.
Hoffen auf nächste Generation Eine Prognose über die Zukunft Russlands wagt Scholl nicht abzugeben. Zu viele Unwägbarkeiten wie Alkoholismus, zu viele vaterlose oder sogar elternlose Kinder, Arbeitslosigkeit, Korruption und Freunderlwirtschaft und der stets gegenwärtige Staatsapparat, der über alles und allem die Kontrolle bewahrt und keinerlei Bewegung zulässt. Dennoch schafft es Susanne Scholl auch diesmal den Zuhörern zu vermitteln, dass die Russen in diesen, für uns nicht erträglichen, Zuständen, Menschen mit Herz bleiben können: „Trotz ihrer Not, habe ich immer wieder Menschen kennengelernt, die einem mit offenem Herzen begegnen. Mit einer Wärme, Nähe und Offenheit, die ich hier im Westen kaum noch verspüre."
Wunderschönes Land In ihren Büchern beschreibt Scholl das Alltagsleben in Russland und in ihrem neuesten Buch "Russland mit und ohne Seele" stellt sie mit gewöhnlichen menschlichen Schicksalen ein Russland vor, in dem die Hoffnung aufkeimt, dass eine neue, der politischen Kontrolle müde gewordenen Generation sich über die Altlasten der Sowjetzeiten erhebt und das Land und deren Menschen aus der schon so lange wirkenden Depression führen kann.


