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Titel: mc-Diskussion: Neuordnung der Weltwi ...
Teilnehmer: Prof. Dr. Norbert Walter, ehemaliger ...
Datum:23.03.2010
Uhrzeit:18:30 - 20:00
Ort: mc, Kärntner Straße 8, 1010 Wien
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Neuordnung der
Weltwirtschaft


Nach dem Finanzkollaps haben die Rettungspakete der wichtigen Länder die Brände gelöscht. Aber wie wird sich die Weltwirtschaft in Zukunft entwickeln? Welche Hausaufgaben die Politik jetzt machen muss, damit Österreich/ Europa wettbewerbsfähig bleibt, diskutierten wir mit dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutsche Bank Norbert Walter unter Moderation von mc-Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner.

Kulturlose Gesellen. Die dramatische Verschuldung Griechenlands hat das Land an den Rand der Staatspleite manövriert - die gesamte Eurozone ist verunsichert. Laut dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutsche Bank Norbert Walter zu Unrecht. Er rät zur Unaufgeregtheit. "An den Finanzmärkten und Stammtischen finden sich kulturlose Gesellen, die vor lauter Aufregung die Proportionen immer durcheinander bekommen. Griechenland verhält sich zur EU kleiner als das Saarland zu Deutschland. Und jahrzehntelange unseriöse Politik im Saarland haben Gesamtdeutschland ebenso wenig den Kopf gekostet, wie die griechische Verschuldung der EU etwas anhaben wird können", weiß Walter.

Griechische Ernsthaftigkeit. Werfe man einen Blick auf die Neuverschuldung Griechenlands, stelle man fest, dass diese deutlich niedriger sei, als in den USA oder GB. "Die aufgeregten Affen in New York und London hatten letztes und dieses Jahr eine höhere Neuverschuldung und so wird es auch 2011 sein. Der Unterschied: USA und GB verschulden sich zu vier-prozentigen Zinsen, während die Griechen mit sieben Prozent zu kämpfen haben." Einige Regierungschefs könnten von der Ernsthaftigkeit der griechischen Staatsträger lernen. "Man darf auch nicht vergessen, dass die Hellenen die Wiege unseres christlichen und intellektuellen Abendlandes sind. So objektiv und bibelfest sollten wir bei der Beurteilung Dritter dann schon sein."

Finanzmarktregulierung. Probleme gäbe es am Finanzmarkt nur deshalb, weil international agiert, aber national reguliert werde. "In der Fixierung auf demokratische Legitimation wird alles Internationale verneint. Die Politik besteht darauf, im engen, nationalen Rahmen zu regulieren - es geht aber nur mit internationaler Zusammenarbeit", ist der Volkswirt überzeugt. Bilanzierungsvorschriften, Buchhaltung, Eigenkapitalrichtlinien, Gebote und Verbote für bestimmte Geschäfte - all das müsse international erfolgen.

Big is beautiful? Paul Volcker und Barack Obama meinten, das Finanzgewerbe zu revolutionieren, indem sie Banken nie wieder so groß werden lassen, dass sie den Steuerzahler als Geisel nehmen könnten. Dem gegenüber stehe die Aussage von Deutsche Bank-Vorstandsvorsitzendem Josef Ackermann, der meint, Größe sei kein Teufelszeug und überzeugt ist, dass nur Großbanken die großen Deals und die riesigen Kredite bereitstellen könnten. Norbert Walter ist hier einer Meinung mit seinem ehemaligen Chef Ackermann und meint zu Volckers Vorschlag: "Das ist in der heutigen Welt nicht umsetzbar, wir brauchen den Typ 'internationale Bank', um unsere Bedürfnisse und in Zukunft auch Zins- und Witterungsrisiken absichern zu können."

Wie Diogenes im Fass. Das Thema Spekulation beleuchtet Walter von zwei Seiten: "Einerseits haben wir eine lange Tradition gegen solche Berufe - Spekulation ist nichts für redliche Menschen. Schon Diogenes im Fass hat auf Händler herabgeschaut." Die mit solchen Geschäften verbundenen Risiken müssten in Zukunft anders abgedeckt werden als bisher. So müsse man beispielsweise verbieten, dass Emittenten von Wertpapieren die Ratingagenturen bezahlen oder aber die Kontrollhaltung in unserem two-tier-system zwischen Manager und Aufseher stärken. "Das geht nur, wenn die Kontrollseite dementsprechend entlohnt wird, dass Interessenskollisionen mit dem Management ausbleiben." Darüber hinaus müsse wieder ein starker Konnex zwischen Ertrag und Haftung hergestellt werden.

Wetten auf die Zukunft. Die andere Seite der Medaille sei, dass jeder von uns ständig spekuliert. "Jedes wirtschaftliche Handeln ist eine Entscheidung, die Wetten auf die Zukunft beinhaltet", so der Volkswirt. Wer vorausschauend und zum Wohle der Nachfolger 'wette', sei kein böser Mensch sondern klug und trage mit dieser Art von Spekulation zur Stabilisierung bei. Welche Hausaufgaben die Politik jetzt machen müsse, damit alternde Volkswirtschaften wie Österreich wettbewerbsfähig bleiben: "Die Liberalisierung des Gesundheitssektors, Import von jungen Einwanderern in unser Bildungs- und nicht nur Sozialsystem, sofortige und dramatische Erhöhung des Rentenantrittsalters und damit einhergehend die entschlossene Weiterbildung älterer Menschen", empfiehlt der Experte.