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Forum Zukunft der Arbeit:
Wie kompetent ist die Jugend?
Beim 4. Forum Zukunft der Arbeit von Competence Call Center in Kooperation mit dem management club und CAREER diskutierten mc-Präsident DI Herbert Paierl, bmukk-Sektionschef Mag. Theodor Siegl, Dr. Hemma Massera (Generali AG) und Dr. Thomas Lang von Wins (Universität der Bundeswehr München) die Perspektiven von jungen Menschen am Arbeitsmarkt.
Mini-Think-Tank. Die Moderatorin Dr. Martina Salomon (Die Presse) sieht das Forum Zukunft der Arbeit als eine Art Mini-Think-Tank und beurteilt vor allem die Location des 4. Forums sehr positiv: "Es ist gut, dass wir nicht in einem Ministerium oder im Parlament sitzen, sondern dort, wo Bildung stattfindet: in einer Schule, der Vienna Business School", und übergibt das Wort an Keynote-Speaker Dr. Thomas Lang von Wins. Der Psychologe und Professor an der Universität der Bundeswehr München beleuchtet den Wandel von Beschäftigungsverhältnissen bei einem gleichzeitig statischen Bildungssystem und die dadurch entstehende Diskrepanz für Jugendliche.
Rasanter Wandel. Modelle ununterbrochener Beschäftigung im selben Beruf oder dem selben Unternehmen gehören der Vergangenheit an. "Die Arbeitsgesellschaft befindet sich in einem rasanten Wandel. Auf unsere Jugendlichen kommen Laufbahnen mit vielfältigen Stationen und Erwerbstätigkeit mit unterschiedlichen Mustern zu", weiß Lang von Wins. Dieser Wandel schließe Arbeitslosigkeit und Unsicherheiten existenziellen Charakters ein, die durch die Wirtschaftskrise verschärft werden. "Der Übergang von der Ausbildung zum Beruf wird schwieriger und die Zahl der Qualifizierungsstationen zunehmen", so der Psychologe. Wichtig sei, dass die Aneinanderreihung diverser Stationen nicht zu Brüchen führen, die in der Erwerbslosigkeit enden.
Schlüssel zum Erfolg. Eigenverantwortung, Motivation und das Wissen, um seine Werte, Stärken und Ziele seien die Schlüssel zum Erfolg. "Deshalb muss die bis dato wissensorientierte Bildungsvermittlung um die Kompetenzorientierung erweitert werden", meint Lang von Wins und fordert, dass statt Defiziten Stärken hervorgehoben und gefördert werden sollten. Seine Einschätzung: "Die Regelschulen sind Zertifizierungsanstalten und zu sehr auf Schwächenbewertung ausgerichtet." Dr. Hemma Massera von der Generali AG stellt in Ihrem Alltag mit jungen Bewerbern fest, dass sowohl Ausdrucksfähigkeit als auch die persönliche und inhaltliche Vorbereitung auf ein Jobgespräch abgenommen haben. "Die Jugendlichen wissen gar nicht, was sie für Möglichkeiten haben", so Massera.
Krise verschärft Situation. mc-Präsident DI Herbert Paierl weiß: "Wohlstandserhaltung ist nur möglich, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit verstärken." Das große Manko im österreichischen System sieht Paierl wie Lang von Wins in der Fokussierung auf die Schwächen. "90 Prozent der Politik befasst sich mit Absicherung der Schwächen und nur 10 Prozent mit Exzellenz", so Paierl und fordert einen Kulturwandel. "Es ist nichts schlechtes daran, spitze zu sein", sagt der mc-Präsident und sieht sich mit einem österreichischen Dilemma - dem Neidkomplex - konfrontiert, der Leistung nicht belohnt, sondern argwöhnisch beäugt. "Meine Zielvorstellung, Österreich als die Region der hellsten Köpfe aufzustellen ist nicht leicht umzusetzen, aber wir haben keine Alternative", weiß Paierl.
Trainingsstätte der Besten. Österreichische Schulen sollen "die Trainingsstätten für die Besten sein", wünscht sich der mc-Präsident und weist darauf hin, dass kein Weg an Eigenverantwortung vorbei führt: "Ich muss der Beste sein wollen, sonst klappts nicht." Paierl fordert Motivation, denn für ihn ist Unternehmertum nicht an einen Gewerbeschein gebunden, sondern eine Geisteshaltung. "Natürlich ist die Überführung von der Faulbettperspektive in eine teilweise unangenehme Wettbewerbswelt keine leichte - aber Alternativlos, wenn wir nicht wollen, dass China und Indien an uns vorbeizischen", weiß der mc-Präsident.
Gesellschaftliches Umdenken. Für bmukk-Sektionschef Mag. Theodor Siegl ist ein gesellschaftlicher Umdenkprozess unausweichlich und er nennt drei Kernprobleme: Acht Prozent aller 15-jährigen seien ohne Abschluss "out of school" - "Wie bekomme ich die wieder ins Bildungssystem rein?", fragt Siegl und sieht in diesen acht Prozent potenzielle Langzeitarbeitslose. Ein weiterer Knackpunkt sei die Information im Bereich der Berufsorientierung, die verstärkt ausgebaut werden müsste, aber dennoch nicht nur in den Händen der Schulen liegen könne. Hier müssten auch die Eltern zur Verantwortung gezogen werden. Darüber hinaus sehe es für Österreichs Facharbeiter und Lehrlinge schlecht aus, wenn Eltern nicht von dem Standpunkt abrücken, dass die Matura das Minimum für ihr Kind sei.

