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Titel: mc-Pressestunde mit BM Beatrix Karl
Teilnehmer: Mag. Dr. Beatrix Karl, Bundesministerin ...
Datum:19.04.2010
Uhrzeit:08:30 - 09:30
Ort: mc, Kärntner Straße 8, 1010 Wien
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Beatrix Karl: Ideologischen
Ballast abwerfen!


Wissenschaft und Forschung sind wesentliche Elemente der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung unseres Landes. In der mc-Pressestunde wollten wir gemeinsam mit Dr. Erich Witzmann (Die Presse) und Mag. Christian Böhmer (Kurier) mehr über die bildungspolitischen Schwerpunkte der Wissenschaftsministerin Beatrix Karl erfahren.

Keine Provokation. Kurz nach Ihrer Angelobung als Wissenschaftsministerin machte Beatrix Karl Ihre Standpunkte zu Studiengebühren und Zulassungsregeln klar. Von einigen als Provokation empfunden, kontert die Wissenschaftsministerin in der mc-Pressestunde: "Es ging mir nie darum, zu provozieren, aber ich habe eine 24-jährige Vergangenheit im Hochschulwesen - von der Studentin bis hin zur Universitätsprofessorin. Ich habe mir in dieser Zeit oft Gedanken gemacht, was politisch verändert werden müsste und konnte mir also meine Meinung bilden. Jetzt so zu tun, als hätte ich keine Meinung, wäre falsch."

Für Zugangsregeln. Dass nur durch Zugangsregelungen überfüllte Studiengänge vermieden werden können, davon ist die Ministerin überzeugt. "Massenstudien sind sowohl für die Studierenden, als auch für die forschungsgeleitete Lehre suboptimal." Im Bereich der Medizin und Zahnmedizin könne man die Zugangsregelungen mit der Versorgungssicherheit im Österreichischen Gesundheitswesen argumentieren. "Zur Zeit gehen 80 Prozent der deutschen Studierenden nach abgeschlossener medizinischer Ausbildung wieder zurück in ihr Heimatland", weiß Karl. Um die medizinische Versorgung in Österreich zu sichern, gilt folgende Regel: "65 Prozent sind für Österreicher reserviert, 20 Prozent für EU-Ausländer und 15 für Studierende aus Drittstaaten."

Drop-Out reduzieren. Aber auch in anderen Bereichen müsste der Zugang besser geregelt werden. So hätten beispielsweise die Studienrichtungen Publizistik und Architektur sowie die Wirtschaftsuniversität Anträge auf Zugangsregelungen gestellt. Die Zeit dränge, weil die neuen Regelungen bereits ab dem Wintersemester eingeführt werden sollen. "Statt sich mit Knock-Out-Prüfungen den Studierenden zu entledigen und somit eine hohe Drop-Out-Quote zu produzieren, sollten bereits zu Beginn des Studiums klare Zugangsregeln den Massenandrang verhindern", wünscht sich die Wissenschaftsministerin. So würden an der WU im Laufe eines Studiums 70-80 Prozent der Studierenden herausgeprüft - laut Karl ein untragbarer Zustand.

SPÖ ist unehrlich. Man müsse sich die Besten aussuchen dürfen, fordert Karl und kritisiert die SPÖ, die diesbezüglich mit zweierlei Maß messe. "Gabi Burgstaller tritt in Salzburg beispielsweise für Zugangsregelungen in der Publizistik ein, weil sie dort Probleme sieht und Bildungsministerin Claudia Schmied vertritt auch in der Lehrerausbildung das Prinzip der besten Köpfe." Wieso sich die SPÖ in anderen Fächern allerdings sträube, die Besten durch Zugangsregelungen auszusuchen, ist für Karl unverständlich. "Das ist kein ehrlicher Zugang zu den Problemen", attestiert die Wissenschaftsministerin der SPÖ.

Brennende Fragen. Da die Wissenschaftsministerin bei Problemlösungen den breiten Dialog bevorzugt, seien die ehemals ausgetretenen Rektoren nach wie vor herzlich zum Hochschuldialog eingeladen. Aber es gebe noch mehr brennende Fragen im Hochschulsystem, beispielsweise die abnehmende Mobilität der Studenten und die zunehmende Verschulung der Universitäten. Bei allen Fragen suche sie immer den Weg des Dialogs. "Ich befürworte die Autonomie der Universitäten, aber ich werde nicht untätig zusehen, was mit den Unis passiert", meint Karl. Wenn an den Universitäten beispielsweise Wahlfächer gestrichen oder 4-jährige Diplomstudien in 3-jährige Bakkalaureatsstudien gepresst würden. "Hier müssen wir gemeinsam bessere Lösungen finden."

Ideologischer Ballast. Im Bereich der stärkeren Akademisierung, beispielsweise bei Gesundheitsberufen oder in der Kleinkind- und Kindergartenpädagogik, gibt sich Karl zurückhaltend. Die akademische Ausbildung sieht sie hier als Option, nicht aber als Muss. Für den gesamten Bildungsbereich wünscht sich Karl sowohl von ÖVP, als auch von SPÖ, dass ideologischer Ballast abgeworfen werde. "Das wünsche ich mir von der ÖVP im Schulbereich und im Gegenzug dazu von der SPÖ im Hochschulbereich." Vorstellbar wäre dann auch ein modernes Gesamtpaket im Bildungsbereich, das vom Kindergarten bis hin zum lebenslangen Lernen reicht. Ein hehres und ambitioniertes Ziel, das Österreich in Sachen Wohlstands- und Wettbewerbsfähigkeit in die Champions-Leage katapultieren könnte.