
Schule der Zukunft braucht
Allianz der Reformer
Die Allianz der Schulreformer wird immer größer. Nach dem Bildungsvolksbegehren von Hannes Androsch machen sich nun auch Elternvertreter, Sozialpartner und Bildungsexperten für eine Bildungsreform stark.
Gegen Verländerung. Bezugnehmend auf die aktuelle Debatte zur Verländerung des Schulwesens attestiert mc-Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner den Bundesländern rein machtpolitische Interessen und spricht sich klar gegen eine Verländerung aus. Bereits jetzt erkenne er mehr Länderzentralismus als Föderalismus. Genauso wenig, wie der Bund wisse, welche Lehrer in St. Pölten gebraucht werden, wisse St. Pölten, welche Lehrer Laa an der Thaya brauche. Den tatsächlichen Bedarf kennen die Schulen vor Ort am Besten.
Für Schulautonomie. Deshalb müssen auch alle relevanten Entscheidungen auf der Schulebene getroffen werden. Direktoren müssen zum Chef ihres Unternehmens Schule werden. Echte Schulautonomie ermöglicht dem Direktor Verantwortung zu übernehmen. Beispielsweise Personalverantwortung. Er entscheidet über Anstellung und Kündigung, fördert Motivation und steigert das Engagement seines Lehrkörpers. Positive Effekte: Ein großer Teil des bürokratischen Aufwandes entfällt und die Schulqualität verbessert sich. "Wenn jedoch alle Kompetenzen vom Bund an die Länder abgetreten werden, kann sich die Bundesregierung gleich selbst abschaffen – dann brauchen wir sie nämlich nicht mehr", konstatiert der mc-Geschäftsführer. (mc-Schulverwaltungsmodell auf dieser Seite zum Download)
Schluss mit Kompetenzgerangel. Dr. Michael Landertshammer von der WKÖ kritisiert das aktuelle Kompetenzgerangel. Dieses überdecke die Kernfrage, die sich alle Beteiligten stellen müssten: "Wie kann die beste Schule für alle Kinder aussehen? Erst danach kann und soll über Zuständigkeiten diskutiert werden." Mit der Bekanntgabe der aktuellen PISA-Ergebnisse nächste Woche würden wir wieder erfahren, was wir seit Jahrzehnten wissen. "Das österreichische Bildungssystem ist im Vergleich eines der teuersten, der Output allerdings nur durchschnittlich. Beängstigend sei hierbei vor allem, dass 20 Prozent der Pflichtschulabsolventen nicht sinnerfassend lesen können", so Landertshammer.
Fehlkonstruktion Bund-Land. Bereits vor 20 Jahren analysierte Dr. Lorenz Lassnigg vom IHS die Finanzierungsstruktur des österreichischen Schulwesens, und kam damals schon zu dem Schluss, dass eine Verbesserung der Leistungen nur durch Schulautonomie zu erreichen wäre. Im Bereich der Schulverwaltung sei sogar seit 50 Jahren klar, dass es sich um eine Fehlkonstruktion handle. Für ihn sei eine Verländerung zu 100 Prozent ein Schritt in die falsche Richtung. Zur aktuellen Debatte meint der Experte: "Ich hätte aufgrund meiner jahrzehntelangen Erfahrung niemals gedacht, dass die Idee der Verländerung überhaupt ernst gemeint sein, bzw. dass darüber jemals ernsthaft diskutiert werden könnte."
Effizienzsteigerung. Verbesserung der Bildungsqualität und Steigerung der Effizienz des Mitteleinsatzes sind für Dr. Gerhard Riemer von der Industriellenvereinigung dringend notwendig. "Österreich hat eines der ineffizientesten Schulsysteme Europas. Wenn von 2 €, die in die Schule investiert werden, nur 1 € in der Schule, also dort wo Qualität entsteht, ankommt, dann zeigt das, wie dringend umfassende Reformen erforderlich sind." Um wieder die Sach- und Qualitätsorientierung statt parteipolitischer Einflussnahme oder Einzelinteressen von Gruppen in den Mittelpunkt der bildungspolitischen Diskussion zu stellen, bedürfe es einer „Allianz der Reformer“, auch zwischen Bund und Ländern.
Kompetenz-Fleckerlteppich. Auf die Probleme in Deutschland, wo Bildung Ländersache sei, wies bifie-Vertreter Werner Specht hin: Übersiedlungen von einem Bundesland ins andere fielen mit Schulkindern schwer. Auch in Österreich bereite der "Fleckerlteppich" bei der Kompetenzverteilung Schwierigkeiten: Die Integration behinderter Schüler gelinge je nach Bundesland äußerst unterschiedlich. Wie die Präsidenten der beiden Elternverbände, Ing. Stefan Mandahus und Ing. Theodor Saverschel versicherten, seien auch ÖGB, Arbeiterkammer und Schülervertretungen in die Reformallianz eingebunden.


