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titel: Unternehmen „Schule“
teilnehmer: Der finnische Bildungsexperte Rainer ...
datum: 26.11.2008
uhrzeit: 18:00 - 19:30
ort: mc, Kärntner Straße 8, 1010 Wien
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Unternehmen
"Schule"


"Österreich gibt rund 67.000 Euro pro Pflichtschüler aus. Wir liegen aber in der PISA-Vergleichsstudie weit hinter dem Sieger Finnland", beschreibt mc-Präsident DI Herbert Paierl den Status Quo.

"Uns liegen Daten vor, dass in Österreich im Vergleich zu Finnland um 30 Prozent mehr ausgegeben wird. Umgekehrt sind die Leistungsdaten bei uns aber um 30 Prozent geringer. Das bedeutet: Für mehr Geld weniger Leistung", so der mc-Präsident weiter. Aus Anlass der Unterzeichnung des Regierungsübereinkommens sahen sich im management club gestern Abend hochkarätige Gäste das aktuelle ÖVP/SPÖ-Regierungsprogramm hinsichtlich dem Thema Bildung genauer an.

Die Schulautonomie muss unbedingt gesteigert werden. Für die Praxis bedeutet dies, dass sich ein Direktor seine Lehrer selber aussuchen kann, "schließlich werden einem Unternehmen die Arbeiter auch nicht einfach zugeteilt", so Paierl. An das Unternehmensbild Schule knüpfe auch die zweite Forderung nach "messbaren, transparenten und evaluierbaren" Bildungsstandards an, "die ähnlich einer Unternehmensbilanz unabdingliches Feedback für Eltern, Lehrer und Schüler darstellen sollen", fordert der mc-Präsident.

Ein weiterer Punkt des mc-Bildungskonzepts beinhaltet den Ausbau von Ganztagesbetreuung. Bildungsexperte Rainer Domisch berichtete von den finnischen Erfahrungen und verortete in der österreichischen Diskussion rund um das "Reizwort" Gesamtschule "viele falsche Weichenstellungen in der Vergangenheit". Die damit verbundene Angst vor einem zu hohen Ausländeranteil in den Klassen bedürfe dringender Maßnahmen: Integration sei "pädagogisch und didaktisch möglich", insbesondere dann, wenn der Anteil der Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache 30 Prozent nicht übersteige und wenn "interkulturelle Erziehung als Chance" gesehen werde. In diesem Zusammenhang knüpfte er vor allem an die drei Schlagworte "Bildungsgerechtigkeit", "Qualität" und "Effizienz" an.

Im Regierungsprogramm haben SPÖ und ÖVP die Schaffung eines verpflichtenden Kindergartenjahres vorgesehen. Dieses wird natürlich gratis sein. Damit sollen Sprachprobleme bei Schuleintritt verhindert werden. Allerdings haben im Jahr 2006 fast 74.000 Kinder im Alter von fünf Jahren einen Kindergarten oder eine altersgemischte Einrichtung besucht. Das sind 92,4 Prozent der Fünfjährigen. Deswegen ist das verpflichtende Jahr für den grünen Bildungssprecher Dr. Harald Walser nur ein erster Schritt. "Der Vorteil ist jetzt nur, dass es kostenlos ist. Wir brauchen Ganztagskindergärten und die Sprachfrühförderung. Wir brauchen besser ausgebildete Pädagogen. Wir müssen diese Kinder massiv im Spracherwerb unterstützen", so Grüne-NR-Abg. Dr. Harald Wals.

Fakt ist, dass österreichische Eltern pro Jahr rund 140 Millionen Euro für Nachhilfe ausgeben. Mängel des öffentlichen Schulwesens werden damit aus privater Tasche wettgemacht. Am Handlungsbedarf gibt es unter den Experten keinen Zweifel. Bei aller Kritik weist ÖVP-NR-Abg. Katharina Cortolezis-Schlager aber auch auf einen positiven Punkt des österreichischen Systems hin. "Etwas worauf ich besonders stolz bin, ist der Bereich der 14 bis 19-Jährigen. 80 Prozent sind in der Berufsausbildung. 40 Prozent sind in einer Lehre. 40 Prozent in einer mittleren höheren Bildung. 20 Prozent sind in einer AHS. Das sind Werte die international sensationell sind. Unsere Schüler lernen früher als andere eine allgemeine und eine Berufsausbildung."