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Die zweite Republik ist tot -
und das ist gut so
Dilettanten, Sesselkleber und Würschtel. Michael Fleischhacker stellte im mc seine "Politikerbeschimpfung" zur Diskussion.
Anlässlich der Veröffentlichung des Buches "Politikerbeschimpfung: Das Ende der 2. Republik" lud der mc Autor und "Die Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker zu einer kontroversiellen Gesprächssrunde, um mit ihm über seine provokanten und vieldiskutierten Thesen – vor allem das von ihm eingeforderte Mehrheitswahlrecht – zu diskutieren.
Enttäuschter Patriotismus. Kurt Scholz moderierte die Diskussionsrunde und ortete gleich zu Beginn "" als Publikationsgrund. Michael Fleischhacker widersprach durchaus nicht der These, dass er das Buch aus einem gewissen Zorn auf eine Politik geschrieben habe, die sich "eigentlich nur im Kreis bewegt". Das "bewusste Konzept von Rücksichtslosigkeit" welches den Inhalt des Werkes prägt, solle zum Überdenken von grundlegenden und teilweise eingefahrenen Strukturen in Österreich, wie zum Beispiel die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern, animieren.
Freunderlwirtschaft. Ein entscheidender Schritt in diesem Wandel liegt Fleischhacker zufolge im Weggehen von der Verhältniswahl hin zu einem Mehrheitswahlrecht. Dieses sei keinesfalls als ein Allheilmittel zu betrachten, dessen Effekte seien aber nicht zu unterschätzen. Neben dem großen Vorteil der schnellen Mehrheitsbildung nach Wahlen könnte sich das politische System Österreichs auch über einen "Wechsel in den Rekrutierungsmechanismen der Parteien" freuen. Durch den daraus entstehenden Wettbewerb innerhalb der Parteien müssten sich laut Fleischhacker die Politiker wesentlich mehr um Wählerstimmen bemühen, das "sogennante freie Mandat" würde wirklich frei werden und wäre entkoppelt von "der Gnade der Partei" sowie weit verbreiteter "Freunderlwirtschaft".
Uns geht es zu gut. Dem oft entgegengebrachten Argument des "Kleinparteiensterbens", was eine Einbuße für die politische Diversität bedeuten würde, steht Fleischhacker gelassen gegenüber: Es würden sich seiner Meinung nach vermehrt verschiedene Flügel innerhalb der Parteien bilden und die verschiedenen Interessenslagen würden somit nicht dem Mehrheitswahlrecht zum Opfer fallen. Diese Reform würde Fleischhacker zufolge das Ende der zweiten Republik einläuten und den Ermüdungserscheinungen der Politik vielleicht ein Ende setzten. Auf die Chance zur Durchbringung dieser einschneidenden Reform angesprochen meint Fleischacker, dass es uns "aller Wahrscheinlichkeit nach noch zu gut geht".
Verlangen nach Enttäuschung. In einem philosophischen Word-Rap konstatierte Michael Fleischacker den Österreichern ein gewisses Verlangen nach Enttäuschung und lieferte damit die Begründung für den Zuspruch zu einer großen Koalition seitens der Bevölkerung: "Der Österreicher will enttäuscht werden – und das auf Dauer."


