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Zukunft Österreich:
Was braucht unser Land?
Wie ist es um Österreich bestellt und welche Politikbereiche müssen angepackt werden, um die Zukunft unseres Landes zu sichern? Aber vor allem: Wie bereit sind die Österreicherinnern und Österreicher notwendige Reformen mitzutragen? Das diskutierten wir unter der Moderation von mc-Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner mit Dr. Helmut Kramer (Ex-WIFO-Chef und Autor der mc-Staatsschuldenstudie), Dr. Rudolf Bretschneider (GfK Austria) und Mag. Cornelia Mayrbäurl (Public Affairs - Agentur Kovar & Köppl, Mitautorin des Buches „Was uns morgen blüht“).
Veränderungswille. "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, werden wir alles ändern müssen", eröffnet der ehemalige WIFO-Chef Kramer die Diskussionsrunde und ist überzeugt, dass unsere freie und wohlhabende Gesellschaft nur durch ein Umdenken erhalten bleiben kann. "Wir brauchen mehr Arbeitsplätze, eine Wiederbelebung der Wirtschaft und eine Politik der Nachhaltigkeit, um späteren Generationen eine Welt übergeben zu können, in der es sich zu leben lohnt", so Helmut Kramer. Die Politikbereiche, die es anzupacken gilt seien klar: Verwaltung, Föderalismus, Pensions- und Bildungssystem sowie das Gesundheitswesen. Jedoch zeige die Politik sehr wenig Kraft, Energie und Wille dringend nötige Reformen zu betreiben.
Warum nichts geschieht. Obwohl die Handlungsfelder seit Jahrzehnten bekannt sind, scheint die Politik sich in einer Lähmung zu befinden und richte sich "zu sehr danach, was die breite Masse vermeintlich hören möchte", meint der ehemalige WIFO-Chef. Warum dem so ist, versucht die Autorin des Buches „Was uns morgen blüht“, Cornelia Mayrbäurl auf den Punkt zu bringen: "Wir haben ein Problem der Fristigkeit". Legislaturperioden seien zu kurz, um für die aktuell Regierenden einen kurzfristigen Mehrwert durch langfristige Reformen zu generieren. Die Politik stelle Wahlerfolge vor Reformerfolge, da letztere meist dem poltischen Nachfolger in die Tasche spielen.
Politische Denkfehler. Dies könnte aus zweierlei Gründen ein schwerwiegender poltischer Denkfehler sein: denn Österreich braucht eine Politik der Nachhaltigkeit und das Volk will nicht für Dumm verkauft werden. Der durchschnittliche Österreicher hätte nämlich ein treffsicheres Gefühl dafür, wie es um unser Land stehe, weiß der ehemalige GfK-Chef Rudolf Bretschneider. Auch wenn dieses Gefühl nicht in absoluten Zahlen abrufbar sei, stiegen beispielsweise beim letzten Anstieg der Staatsschulden parallel dazu die Negativbewertungen der Bevölkerung bei der Frage wie es denn um Österreich bestellt sei. Was Österreich jetzt brauche, seien mutige Politiker, die ein Problembewußtsein in der Bevölkerung schaffen, Lösungsalternativen anbieten und Reformen umsetzen.
Mut kann man nicht kaufen. "Die Politik versagt völlig in der Kommunikation", aber es fehle auch an Mut. Bretschneider weiter: "Mut kann man nicht kaufen, aber wenn man nur herumlaviert, wird man früher oder später bestraft - und zwar zusammen mit der gesamten Bevölkerung." Politik sollte die Verständigung über das Wichtige sein. Der ehemalige GfK-Chef definiert die aktuelle Politik aber folgendermaßen: "Politik ist die Kunst, Menschen von Dingen abzulenken, die sie betreffen."
Wohlstandsverwahrlosung. Einigkeit herrscht unter den Experten über die künftig zu setzenden Maßnahmen: Investitionen in Integration, Erhöhung der Energieeffizienz und Reformen in den Bereichen Bildung, Verwaltung, Föderalismus, Pensions- und Gesundheitssystem. Einig sind die Experten aber auch darin, dass die großen Probleme von der Politik nicht gelöst, weil schlicht nicht angegangen werden. Warum dies so sein könnte, erklärt Cornelia Mayrbäurl mit einer Art "Wohlstandsverwahrlosung - uns geht es offenbar immer noch zu gut, als dass wir etwas ändern müssten".


