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titel: Politikum Gesamtschule: Pro und Contra
teilnehmer: Prof. Dr. Ludgar Wössmann/ Institut für ...
datum: 15.02.2011
uhrzeit: 18:00 - 19:30
ort: mc, Kärntner Str. 8, 1010 Wien
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Politikum Gesamtschule:
Pro und Contra


Unter Moderation von mc-Geschäftsführer Markus Heingärtner diskutierten Mitglieder und Gäste des management club mit dem deutschen Bildungsökonomen Ludger Wössmann über Erfolgsfaktoren in Schulsystemen.

Bildung, die sich "auszahlt". Dr. Ludger Wößmann ist Universitätsprofessor für Bildungsökonomie an der volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München und Bereichsleiter für Humankapital und Innovation am Institut für Wirtschaftsforschung. Aus internationalen Vergleichsstudien weiß der Bildungsökonom, dass sich eine spätere Wahl zwischen Schultypen eher „auszahlt“, als die in Österreich derzeit schon mit zehn Jahren stattfindende Trennung in Hauptschule und Gymnasium. "Die spätere Trennung der Schultypen mag nicht der allein entscheidende Faktor für Erfolg oder Misserfolg sein - es ist aber auch kein irrelevanter", weiß Wössmann aus seinen Studien.

Wirtschaftlich fahrlässig. Die Angst vor einer viel zitierten "Nivellierung des Leistungsniveaus nach unten" durch Gesamtschulen ist für den Bildungsökonomen empirisch schlicht nicht begründbar. "Das Leistungsniveau in den Gesamtschulen ist sogar ein Stückchen höher. Wichtiger jedoch ist der Faktor Chancengleichheit: Je früher man aufteilt, desto stärker geht die Schere zwischen Akademikerkindern und Arbeiterkindern auseinander." Langfristige Effekte lassen sich auch bei den späteren Einkommen von Gesamtschülern erkennen. Diese würden in Folge nämlich weniger stark vom Elternhaus abhängen: "Volkswirtschaftlich ist es jedenfalls schwer fahrlässig High Potentials aus bildungsfernen Schichten verkümmern zulassen", ist Wössmann überzeugt.

Glaubensfrage Bildung. Bildung sei für den Experten keine Glaubensfrage - sie orientiere sich an harten Fakten und diese benennen im internationalen Vergleich klare Erfolgsfaktoren in Schulsystemen: Schulautonomie, vordefinierte Bildungsstandards und deren externe Überprüfung - am Ende dieser Faktorenkette steht die Gesamtschule. "Wir müssen nichts neu erfinden, wir müssen uns nur umblicken und von den erfolgreichen Ländern lernen. Gerade beim Thema Gesamtschule kommt es mir so vor, als wäre die Einführung einer solchen für manche der Untergang des Abendlandes. Aber das Abendland vollzieht diese frühe Trennung der Schultypen schon lange nicht mehr - nur wir!", formuliert Wössmann pointiert.

Nur die Besten werden Lehrer. Eine Bildungsreform sei nichts für politisch oder wirtschaftlich kurzfristige Erfolge. Den Effekt auf das Wirtschaftswachstum sehe man frühestens nach 20 Jahren. "Seit Mitte der 1960er Jahre gibt es mit PISA vergleichbare internationale Tests. Jene Länder die reformiert haben, profitieren heute von höherem Wirtschaftswachstum." Wössmann möchte das Thema Bildung aber keinesfalls nur wirtschaftlich betrachten. Gefordert seien alle Beteiligten: "Die Politik sollte dafür sorgen, dass beispielsweise wie in Finnland nur die Besten eine Lehrerausbildung beginnen dürfen. Das würde das Ansehen des Lehrerberufes steigern und die Qualität enorm verbessern.

Noch mehr PISA-Schocks? Mehr noch: "Wenn Schule die Möglichkeit der Differenzierung bieten soll, müssen Lehrer die Kompetenz erwerben mit Heterogenität umzugehen. Bei 32 Schülern pro Klasse kann und darf es kein einheitliches Klassenziel geben", so der Bildungsökonom. Hier sei erwähnt, dass laut Wössmann weder Klassengröße noch Bildungsausgaben erfolgsentscheidend sind. Weltweit würden sich erfolgreiche Schulsysteme durch Schulautonomie, Bildungsstandards, deren externe Überprüfung und eine späte Trennung der Schultypen von schlechteren Schulsystemen unterscheiden. Vielleicht bräuchte Österreich aber noch ein paar PISA-Schocks, um das Bewusstsein für eine Bildungsreform zu schärfen?

Mehr Infos zum Thema: Im Downloadbereich auf dieser Seite finden Sie das mc-Schulverwaltungsmodell und Weiterführendes zu unserem Gastreferenten Ludger Wössmann.