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Brennpunkt Universität:
BM Töchterle & Hans Pechar
Hochschulexperte und Autor des mc-Sammelbandes "Reformen ohne Tabu" Hans Pechar und Wissenschaftsminister Kalheinz Töchterle diskutierten unter Moderation von mc-Geschäftsführer Markus Heingärtner über ein Hochschulmodell für Österreich.
Finanzierung der Unis. Laut Hochschulexperte Hans Pechar liegen die staatlichen Ausgaben im Tertiärbereich in Österreich zwar im OECD-Mittelfeld, "im Vergleich mit erfolgreichen Wissensgesellschaften schneiden wir allerdings nicht gut ab." Hier gelten die nordischen Länder Europas sowie die angelsächsischen liberalen Marktwirtschaften als Benchmark. "Während die liberalen Systeme stark auf privates Investment setzen, finanzieren sich die nordischen Unis über soziales Investment - nämlich hohe Steuern." Pechar sieht die Zukunft der österreichischen Unifinanzierung genau zwischen diesen beiden Extremen: "Mit mehr Geld vom Staat und privaten Studiengebühren ist die Finanzierung gesichert."
Hochschulmilliarde. Wissenschaftsminister Töchterle stellt die Finanzierung der österreichischen Hochschulen ebenfalls auf zwei Säulen: "Einerseits brauchen wir Hochschulbeiträge, andererseits brauchen wir eine Hochschulmilliarde." Die Hochschulmilliarde soll auf drei Jahre - zwischen 2013 und 2015 - ausgeschüttet werden. Töchterles Ziel: Die Steigerung der Hochschulausgaben auf 2 Prozent des BIP bis 2020. "Derzeit investieren wir 1,3 Prozent des BIP. Der private Anteil beträgt 0,1 Prozent und ist im OECD-Schnitt übrigens fünfmal so hoch."
Autonomie. Warum im Vorschlag des Wissenschaftsministers die Hochschulbeiträge nicht vom Staat, sondern autonom von den Unis eingehoben werden sollen, erklärt Töchterle politisch sachorientiert: " Einerseits dient es als Brücke zur SPÖ und andererseits zur Stärkung der Uni-Autonomie."
Aufnahmeverfahren. Hochschulexperte Pechar ist überzeugt, dass Unis das Recht zur gezielten Aufnahme brauchen: "Faktische Knappheit lässt sich nicht durch Begriffsmagie wegzaubern. Die allgemeine Studienberechtigung ist ein Relikt aus dem ständischen System." Wissenschaftsminister Töchterle betrachtet die Diskussion um Aufnahmeverfahren auch aus der europäischen Perspektive: "In den europäischen Ländern gibt es Aufnahmeverfahren. Österreich kann unmöglich für ganz Europa Studienplätze anbieten. Aufnameverfahren sind alternativlos."
Studienplatzfinanzierung. Auch beim Thema Studienplatzfinanzierung sind sich der Wisschenschaftsminister und der Hochschulexperte einig und sprechen sich klar dafür aus. Für jeden Studenten bekommt die Uni Budget zugewiesen. Soll heißen, dass ein Medizinstudent durch Praxiskurse und Laborarbeit mehr Kosten verursacht als ein Student eines Paper and Pencil-Faches wie Philosophie und deshalb mehr Mittel zugerechnet bekommt. Auf die Frage, wer denn den Bedarf an Studenten definieren soll, gibt Töchterle eine klare Antwort: "Der Staat kann das nicht alleine - das geschieht in Absprache mit den Universitäten." Der Wissenschaftsminister weiter: "Studienplatzfinanzierung impliziert immer auch Zugangsbeschränkungen."
Darlehensystem. Studiendarlehen sind im internationalen Vergleich eine Selbstverständlichkeit, weiß Pechar. Die Finanzierung könnte er sich beispielsweise über die Mittel der Kinderbeihilfe vorstellen, die er für Studenten in Folge abschaffen würde. Der Wissenschaftsminister betont, dass es hier viele unterschiedliche Denkrichtungen gäbe. In dem von ihm präsentierten Modell für sozial verträgliche Studienbeiträge sei etwa die Möglichkeit der zinsfreien Stundung enthalten. Studierende sollen dadurch die Möglichkeit haben, die Beiträge bis zu zehn Jahre später zurückzahlen zu können - zu einem Zeitpunkt, zu dem sie auch wirklich Geld verdienen.


