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Diskussion mit Bildungsexperte
Prof. Dr. Bernd Schilcher
Unter dem Motto „Bringt Bildung in das 21. Jahrhundert!“ lud der mc in Kooperation mit TEDxVienna zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „TEDxSalon“. Am ersten Donnerstag im Oktober gehörte die Bühne dem Bildungsexperten Bernd Schilcher.
Über TEDxVienna. Das TEDxViennaSalon-Format bringt Personen aus unterschiedlichsten Disziplinen bei monatlichen Treffen zusammen, um Diskussionen rund um eine „Idee, die es wert ist verbreitet zu werden“, zu entfachen. Dabei dienen aufgezeichnete Video Talks als Ausgangspunkt für ein konstruktives Gespräch. Diesmal wurden dem Publikum zwei anregende Vorträge von dem Kreativitätsexperten Sir Ken Robinson und dem Unternehmercoach Cameron Herold gezeigt. Beide Videos (in englischer Sprache) können Sie auf dieser Seite in der "zum thema"-Box über den Button "links" runterladen.
Bildung ist relativ. Im Anschluss an die Videobeiträge startete Bildungsexperte Bernd Schilcher die Diskussion mit den Worten: "Wir machen Bildung für eine vorübergehende Erscheinung und nicht für die Ewigkeit." Er relativierte damit die Ideologien und die Verbissenheit, die sinnvolle Bildungsdebatten schnell zum Erliegen bringen. "Tedx spricht von Ideen, die es wert sind verbreitet zu werden, der mc verspricht in seinem Claim Ideen, die bewegen und Wolfgang Schüssel titelte einst in seinem Buch mit Ideen, die gehen - all diese Ideen haben wir in den letzten 40 Jahren gesammelt, aber nichts passiert, weil es keine Entrepreneure gibt, die den Mut haben etwas umzusetzen."
1774 = 1869 = 2011 Seit der Gründung des staatlichen Schulwesens durch Maria Theresia im Jahr 1774 und dem Reichsvolksschulgesetz im Jahr 1869 hat sich laut Bernd Schilcher bis heute nicht viel geändert: "Das Hauptproblem in unserem Bildungssystem ist die Fokussierung auf intelektuell kognitive Fähigkeiten. In den Schulen wird den Kindern abstrakter Stoff vermittelt - in der Hoffnung, dass Abstraktes irgendwann auf Praxis trifft." Der Bildungsexperte kritisiert österreichische Schulen als kreativitätsfeindlich: "70 Prozent von dem, was in der Schule geschieht zerstört Kreativität." Und das in einer Situation, in der Berufe mit Zukunft hohes Kreativitätspotenzial voraussetzen.
Ländervergleich. Fehler sind die Grundvoraussetzung von Lernen, weiß Schilcher und zieht einen Ländervergleich: "In angloamerikanischen Systemen sind Fehler nicht nur erlaubt sondern erwünscht. Bei uns hingegen gelten Fehler auch moralisch als verwerflich. Sie werden sogar in einem Ritual plakativ rot angestrichen." Auch die dringend nötige Vielfalt ist im angelsächsischen Raum üblich: "Dort gibt es Teams aus Designern, Wissenschaftlern und Künstlern aus allen sozialen Schichten. Warum? Weil sie erwiesener Maßen schneller zu einem besseren Ergebnis kommen." In Österreich ist Vielfalt immer noch negativ behaftet, so Schilcher weiter.
Experiment. Eine Studie beschäftigte sich mit den Lernerfolgen von Migrantenkindern der zweiten Generation in unterschiedlichen Schulsystemen. Die Vergleichsländer waren Österreich und Schweden: "Und jetzt die Überraschung. Obwohl die österreichischen Eltern besser ausgebildet waren als jene Eltern, die in Schweden Fuß fassten, fanden in Schweden 33 Prozent und in Österreich nur 12 Prozent der Migrantenkinder den Zugang zur Universität."
TO DOs im Bildungssystem. Bildungsexperte Bernd Schilcher nennt die TO DOs im österreichischen Bildungssystem: "Das Lernen muss so früh wie möglich beginnen. Deshalb brauchen wir ab der Kinderkrippe hochwertige Bildungsangebote. Von der Kindergrippe soll der Weg dann über den Kindergarten bis hin zu einer gemeinsamen Schule der Vielfalt führen, die selbstverständlich ganztägig geführt wird." Abschließend warnt Schilcher vor der aktuellen Tendenz von sogenannten Betreuungsschulen zu sprechen: "Die Idee einer Ganztagesschule darf keinesfalls zur Nachmittagsbeschäftigung mit Betreuung verkommen."


