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titel: Wirtschaftsexplosionen: Naturgesetz...
teilnehmer: Dr. Alois Steinbichler ...
datum: 15.04.2010
uhrzeit: 18:30 - 20:00
ort: mc, Kärntner Straße 8, 1010 Wien
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Wirtschaftsexplosionen:
Naturgesetz oder vermeidbar?


Als „Der Spiegel“ vor einiger Zeit "Die Billionen-Bombe" auf seine Titelseite platzierte, spielte er auf das sich bereits abzeichnende Platzen der nächsten Blase an. Unter Moderation von mc-Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner diskutierten wir mit Dr. Alois Steinbichler (Vorstandsvorsitzender der Kommunalkredit) und Dr. Michael Wohlgemuth (Walter-Eucken-Institut, Freiburg), ob dem tatsächlich so ist. Und was bezüglich Geldpolitik und Finanzmarktregulierung getan werden müsste, um die regelmäßige Wiederkehr von immer wuchtigeren Wirtschaftsexplosionen zu vermeiden.

OP gelungen - Patient tot. Dr. Michael Wohlgemuth bestätigt die Spiegel-Meldung und analysiert: „Wir befinden uns im Anlauf, die nächste Blase anzufachen“. Und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem wir die aktuelle Krise noch nicht überstanden haben. Sehen wir uns die Dynamik genauer an. Wir befinden uns in einer Verschuldungskrise, die zuerst die Immobilien, dann die Banken und jetzt die Staaten trifft. Nach dem Motto 'Operation gelungen - Patient tot' stellt der Experte die Frage: „Die Bankenrettung durch die Staaten ist gut gelungen aber wer rettet nun die Staaten selbst?“

"Gottes Arbeit." Die Einschätzungen der Experten zur momentanen Lage könnten unterschiedlicher nicht sein. So wurde beispielsweise der Banker John P. Costas, seit 1981 an der Wallstreet aktiv, unlängst im Spiegel mit den Worten zitiert, dass jetzt die beste Zeit von allen ist. Lloyd Blankfein, Chef der US-Bank Goldman Sachs, wiederum meint gar: „Wir leisten Gottes Arbeit.“ Für den Vorstandsvorsitzenden der Kommunalkredit Dr. Alois Steinbichler ist das Wort "Krise" strikt zu vermeiden, weil es falsche Emotionen und Erwartungshaltungen auslöse. „Krise impliziert, dass es auch einen Normalzustand gibt, zu dem es zurückzukehren gilt. Das ist falsch. Die Situation ist wie sie ist“ und man müsse sich mit den Gegebenheiten bestmöglich arrangieren.

Keine kollektive Furcht. Steinbichler warnt davor, die „kollektive Furcht auszurufen“, denn "zu viel gefürchtet ist nämlich auch gestorben“. Für ihn ist die Kernfrage, wie viel Verschuldungskapazität eine Volkswirtschaft habe und wie viel Rettungskapazität man sich leisten könne. „Man kann einfach nicht mehr ausgeben, als man einnimmt und damit sind wir dann in der heutigen Budgetdebatte.“ Und diese Debatte dürfe nicht geführt werden, ohne an die Zukunft zu denken. Denn was erwartet uns? „Wir werden älter und jeder möchte am liebsten das ‚Projekt 100’ durchziehen – auch ich. Aber wie wollen wir uns das leisten? Im Augenblick erhalten zwei Erwerbstätige einen Pensionisten. In 50 Jahren wird ein Erwerbstätiger zwei Pensionisten erhalten müssen."

Was ist zu tun? „Der Staat hat zwei Möglichkeiten, sein aufgenommenes Geld zu investieren: Entweder in die Erhaltung von Wohlstand oder aber in die Zukunft“, weiß Steinbichler. Auch eine Finanztransaktionssteuer würde laut dem Banker nicht schaden. „Das Kapital wird immer dorthin gehen, wo es den meisten Gewinn gibt, das ist gut so. Wir müssen uns Gedanken über sinnvolle Regulierung machen und an welchen Schrauben man drehen muss, damit wir uns nicht mehr dermaßen überschulden.“

Schmerzhafter Exit. Michael Wohlgemuth weiß, dass nach der Politik des billigen Geldes und geplatzten Blasen die schmerzhafte Anpassung an die bittere Realität kommen muss. „Die Staatsverschuldung lässt sich jetzt recht günstig finanzieren, aufgrund der niedrigen Zinsen. Wenn jetzt auch noch ein bisschen Inflation dazukommen sollte, freut sich der Fiskus doppelt. Aber die Nebenwirkungen dieser Droge des billigen Geldes sind natürlich fatal.“ Er empfiehlt Exitstrategien, um aus den Konjunkturpaketen raus zu kommen. „Das wird schmerzhaft, aber je länger wir den Exit rauszögern – und das versucht die USA gerade – desto schwieriger wird es.“