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titel: Generationengerecht: Pensionsreform...
teilnehmer: Abgeordneter zum dt. Bundestag Jens Spahn, ...
datum: 22.09.2010
uhrzeit: 18:30 - 20:00
ort: mc, Kärntner Straße 8, 1010 Wien
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Generationengerecht:
Pensionsreform für Österreich


Ist das österreichische Pensionssystem (generationen)gerecht? Im management club diskutierten der Abgeordnete zum dt. Bundestag Jens Spahn und Arbeits- und Sozialrechtler Prof. Dr. Wolfgang Mazal unter Moderation von mc-Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner.

Klares Votum. CDU-Abgeordneter Jens Spahn gründete 2003 eine fraktionsübergreifende Gruppe junger Bundestagsabgeordneter, die unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die Gegenwartsbezogenheit der Politik zu durchbrechen und Generationengerechtigkeit als Staatsziel in der Verfassung zu verankern. Ein klares Votum für mehr Generationengerechtigkeit gab Spahn dann im Jahr 2008 ab, als er als einziger Parlamentarier gegen eine außerplanmäßige Rentenerhöhung stimmte. Die Folge: „Ich erhielt 4.000 Emails und 90 Prozent davon waren Beschimpfungen. Es ging sogar bis zu Morddrohungen. Das Gute daran: Es wurde eine Debatte ausgelöst – zwar eine überemotionalisierte, aber immerhin wurde darüber gesprochen.“

Verteilungsdiskurs führen. Galten die Pensionszahlungen früher als Lebensstandardsicherung, sind sie heute nur mehr Existenzsicherung. „Ein Verteilungsdiskurs muss also geführt werden – allerdings auf sachlicher Basis. Das Interessanteste ist ja, dass sich jene am meisten aufregen, die von der gesamten Thematik überhaupt nicht mehr betroffen sein werden – nämlich die aktuellen Rentner. Die diskutieren das alles aber im Heute.“ Tatsächlich sind jene Menschen betroffen, die heute zwischen 30 und 40 Jahre alt sind.

Vertrauensverlust. Sozialrechtler Prof. Dr. Wolfgang Mazal sieht das frühe Pensionsantrittsalter der Österreicher als wesentlichen Knackpunkt. „Der Durchschnitt geht mit 58,3 Jahren in Pension – also weit unter dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter. Das muss geändert werden.“ Jetzt müsste den 30 bis 40-jährigen fairerweise gesagt werden, dass finanziell vorzusorgen ist, um sie nicht 2029 von heute auf morgen vor den Kopf zu stoßen. „Das tun wir aber nicht. Wir haben enorme Expertise und alle sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann, dennoch wird die Öffentlichkeit durch Nicht-Information manipuliert. Auf diese Art und Weise brechen wir das Vertrauen in den politischen Mechanismus“, weiß Mazal.

Arbeitsleid vs. Pension. Ein weiteres Problem sei der Stellenwert von Arbeit. Für den Sozialrechtler ist ein wesentlicher Treiber gegen eine Pensionsreform, dass den Österreichern vermittelt wird, sie müssten länger Arbeiten. „Der Österreicher will aber prinzipiell nicht arbeiten. Wir hören im Radio bereits Montag Früh, dass zum Glück bald Wochenende ist. Auch die Definition von Entgelt liest sich bedenklich: Entgelt sei der Ausgleich für Arbeitsleid. Wen wundert es bei dieser Einstellung, dass die Arbeit quasi als Krankheit und die Pension als Paradies gesehen wird.“

Kollektivverträge ändern. Obwohl man wisse, dass die Pension im Vergleich zu Arbeit nicht unbedingt paradisischer ist, werde diese negative Einstellung gesellschaftlich vermittelt. „Je früher man in Pension geht, desto niedriger ist die Lebenserwartung – das ist erwiesen“, konkretisiert Mazal. Wolle man die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer aber tatsächlich fördern, müsse man auch die Kollektivverträge ändern. Sonst seien ältere Arbeitnehmer schlichtweg zu teuer. Hier hakt auch Jens Spahn ein: „Als älterer Arbeitnehmer muss man sich auch überlegen, ein paar Schritte zurückzugehen, wenn die eigene Leistungsfähigkeit eben nicht mehr der eines 30-/ 40-jährigen entspricht.“

Kein reiner Wein. Aber vor allem jungen Menschen werde kein reiner Wein eingeschenkt. "Durch das Denken in bloßen Headcounts in Kombination mit systemischen Überstunden ist es unmöglich, neue Jobs zu schaffen", so der Sozialrechtler Mazal. Schlimmer: "Diese systemischen Überstunden versauen den jungen Leuten Beziehungen und Familiengründung. Wer Menschen - ob jung oder alt - beschäftigen will, muss anders ticken." Abschließend zitiert Wolfgang Mazal einen Kollegen: "Ein heute 25-jähriger hat eine 25 Prozent geringere Entgeltchance als ein 25-jähriger vor 25 Jahren."